RSS Nachrichtendienst BFEK-3 Eilenburg - Teil 1

verfasst 17.01.2009 von MediaCix | kurze URL: /t553 | 2 Kommentare

Nachrichtendienst BFEK-3 Eilenburg - Teil 1

Wie war das noch - früher als ehemaliger Unterfeldwebel im BFEK-III Eilenburg in ganz geheimer Mission. Einer Kaserne der man äußerlich nicht angesehen hat, was sich hinter dicken Mauern verbirgt. Spezielle Langdraht-Antennen die so dünn waren, dass sie von weiten gar nicht zu sehen waren. Nicht mal die Einwohner vom Ort selber wussten vermutlich was dort wirklich gemacht wurde - abhören der US Air Force. Speziell darauf wurden nur wenige Leute trainiert - so auch ich. Wochenlang, 8 Stunden im Hörsaal spezielle Funksprüche mithören und live mitschreiben. Im Anschluss gibt es dazu auch Audio-Mitschnitte aus dieser Zeit.

Ein ausgebauter Dachboden mit Sicherheitstür und Sprechanlage hinter dem sich mehrere Räume befanden. Ein Raum welcher noch mal mit Stahltüren gesichert war und eine große Glasscheibe hatte, welche in Richtung zu einen zweiten großen Raum zeigte. Der extra Raum (LFW = Leiter Funk Wache) war mit mehreren Empfängern, Hifi-Kassettendecks (früher gab es keine CDs) und Sprechanlagen bestückt, ähnlich einer Kommandozentrale. Im zweiten Raum waren 8 Arbeitsplätze mit zunächst R-250 Empfängern bestückt, wobei im LFW-Raum schon EKD-300 und EKD-500 standen. Den R-250 und EKD-300 mußten wir im Schlaf kennen, jeden Schalter, jede Funktion, jede Grundeinstellung, Eichung und Bedienung. Im Klartext wir mußten dieses Teil perfekt auswendig lernen. Eichstellung, Grundschalter Einstellung und Meßpunkte.

Unsere Aufgabe bestand darin, den Flugfunk der US Air-Force in der damaligen BRD erst einmal zu finden (14khz bis 30MHz), abzuhören, Tonbandaufzeichnungen zu machen und Funksprüche live mitzuschreiben. Auch wurden alle NATO-Manöver abgehört. Alle Tonbandaufzeichnungen und Mitschriften wurden archiviert und zum Teil anderen Dienststellen der Funkaufklärung übergeben. Feste Frequenzen Non-Stop, 24h am Tag und 365 Tage im Jahr abzuhören und Ereignisse zu notieren. Neue Frequenzen suchen, wo das 5. und 7. Armee Chor der US Air Force zu gange war. Funkergebnisse wurden sofort dem LFW mittels Sprechanlage mitgeteilt.

Bekannte Frequenzen waren zum Beispiel: 3940, 6750, 11175, 5680, 5705, 7855, 4712 usw. usw.
Einige davon sind noch heute aktiv. Und wie sowas auf Kurzwelle klingt, könnt ihr in den folgenden MP3-Beispielen anhören.

Rufzeichen: Showder 01, Showder 20, Showder 35, Showder 39, Showder 40



Rufzeichen: Juryman 40, Pegasus 04, Pegasus 05, Doctorfager


Rufzeichen: Showder 01, Showder 33, Showder 35, Showder 36


Na und alles verstanden ?
Teilweise haben sich die beteiligten Funkstationen selber nicht verstanden :)

Um diese Funksprüche überhaupt live mitschreiben zu können, mußten wir noch fleißig millitär Englisch lernen, und Abkürzungen für Abkürzungen verwenden. Und es wurde alles mitgeschrieben, Funksprüche, Koordinaten, Einsatzziele, Verbindungsüberprüfungen, Zielangaben etc...

Es gab Spruchformen wo ?Target Locations? genannt worden sind, sprich Ziel-Koordinaten. Bei einen Spruch den ich selber von der US Air Force damals abhören mußte, wurde das Ziel vom Leipziger Hauptbahnhof genannt. Die US Air Force ist hier nicht wirklich in die Luft gegangen. Sie haben nur den Lepziger Hauptbahnhof als Übungszeil für einen simulierten Anflug ins Visir genommen. Die Koordinaten sind ähnlich dem Locator-System.
Großfelder - Kleinfelder - Kleinstfelder - Objekt

Da ich selber Leiter der Funkwache war, musste ich 24h Dienst fahren. 24 Stunden am Kurzwellenempfänger war echt hart, was man nur mit starken Kaffee aushalten konnte. 24 Stunden an Knöpfen drehen, nach Frequenzen suchen die vielleicht 1mal am Tag für 5min zu hören waren. Dafür gab es aber dann auch einen Tag frei :-)

Soweit zum Teil 1 vom Nachrichtendienst in Eilenburg

Teaser-Bild: NVA - KDL von Eilenburg 1991, Danke an Gisbert Schultz für das Foto

bisherige Kommentare

1
19.01.2009
Sonyon meint dazu:
Ärgert man sich nicht über die vertane Zeit? Im endeffekt war das ganze doch mehr als Sinnlos odeR?

2
19.01.2009
CIX88 meint dazu:
Naja ganz so schlimm war es auch nicht. Es hatte auch durchaus gute Seiten. Zum einen wird man wesentlich selbstbewusster, lernt sich durchzusetzen und zum anderen hatten wir bei der Funkaufklärung mehr Freiräume als andere arme Suppen. Und da ich mit Funktechnik viel zu tun habe, passte das schon.

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